Das Dokumentationszentrum auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg ist durch seinen prägnanten Eingangsbereich des österreichischen Architekten Günther Domenig bekannt – der spitze Pfeil, der aus dem Gebäude hervorsticht. Bis zu Beginn der Umbaumaßnahmen im Jahr 2021 informierte das Zentrum mit seiner ersten Dauerausstellung „Faszination und Gewalt“ über die Zeit der Nürnberger Reichsparteitage und den Terror des totalitären Systems.
Im Mai 2026 ist im Dokumentationszentrum die neue Dauerausstellung in den Probebetrieb gestartet. Die feierliche Eröffnung erfolgt am 4. November 2026, genau 25 Jahre nach Eröffnung des Dokuzentrums 2001.
Geschichte des Dokumentationszentrums
Das Dokumentationszentrum wurde im November 2001 u.a. in Anwesenheit von Bundespräsident Johannes Rau eröffnet. Es befindet sich im sogenannten nördlichen Kopfbau der Kongresshalle und setzt ein markantes Zeichen. Architekt Günther Domenig aus Österreich stellt den modernen Bau mit einem Schnitt quer durch das denkmalgeschützte Gebäude sowie dem schrägwinkeligen Aufbau des Studienforums bewusst gegen die monumentale Strenge der Kongresshalle. Die Investitionskosten teilten sich die Bundesrepublik Deutschland, der Freistaat Bayern, der Bezirk Mittelfranken und die Stadt Nürnberg. Das Engagement von Bund und Freistaat unterstreicht den hohen nationalen Stellenwert der Aufgabe.
Die Dauerausstellung „Faszination und Gewalt“, jährliche Sonderausstellungen, der Betrieb des Studienforums mit einem umfassenden Angebot an Führungen und Workshops sowie ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm zogen vor den Baumaßnahmen für die Erweiterung jedes Jahr über 300.000 Gäste aus aller Welt an.
Erweitertes Haus und neue Dauerausstellung ab 2026
Seit dem 22. Mai 2026 ist die neu konzipierte Dauerausstellung im Probebetrieb zu sehen. Offiziell feierlich eröffnet wird sie am 4. November 2026. Durch den neuen Eingang gelangen Besucherinnen und Besucher in das Dokumentationszentrum. Empfangen werden sie über einen neuen ebenerdigen und damit barrierearm erschlossenen Eingang im hellen Foyerbereich. Hier befinden sich auch ein Informationschalter, der neue und moderne Veranstaltungsraum sowie das erst im Mai 2025 eröffnete Café Arthur. Viele Sitzgelegenheiten laden bei Kaffee, Kuchen und kleinen Snacks zum Verweilen, Austauschen und Nachdenken ein. Das neue Café wird betrieben von der Noris Inklusion und ist ein gelebtes Beispiel für Offenheit und Toleranz. Im ersten Stock befindet sich der neue Kassenbereich mit dem Ticketing.
Die komplett neu konzipierte Dauerausstellung greift in ihren Inhalten wie in ihren Methoden weit über das bisher Präsentierte hinaus. Im Zentrum steht die Geschichte des historischen Orts Reichsparteitagsgelände vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zur Gegenwart. An vielen Punkten wird diese Erzählung jedoch geweitet und in nationale wie internationale Zusammenhänge gesetzt. Übergeordnetes Ziel der Ausstellung ist es, am Beispiel der Reichsparteitage das tradierte Narrativ der „verführten“ Deutschen als Entschuldungsstrategie bei der Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen offenzulegen und das NS-Regime als „Zustimmungsdiktatur“ erkennbar zu machen.
Die mehrsprachige Ausstellung stützt sich an vielen Stellen auf multimediale und interaktive Vermittlungsformate, modern und zeitgemäß. Biografien verdeutlichen die Vielstimmigkeit der deutschen Gesellschaft – auch unter den Bedingungen der NS-Diktatur. Vermehrt zeigt die Ausstellung Objekte, aus denen sich die Erzählung entwickelt. Die konstruierten Bildwelten des Nationalsozialismus werden für die Besuchenden kontextualisiert und dekonstruiert – wo immer möglich sind Propagandaaufnahmen durch Privataufnahmen ergänzt worden. An ausgewählten Stationen sind die Besuchenden schließlich aufgerufen, selbst Position zu beziehen und Haltung zu entwickeln – zu Geschichte und Gegenwart. Zentrale Komponente der Neukonzeption ist die Inklusion – vom Besucherleitsystem über entsprechend gestaltete Module in der Ausstellung bis hin zur Gastronomie. Ein umfangreiches zeitgemäßes Bildungsprogramm und Platz für Sonderausstellungen runden das Angebot ab. Die Kosten von 25,7 Millionen für Umbau und Neukonzeption teilen sich Bund, Freistaat Bayern und Stadt Nürnberg.