Das Dokuzentrum Nürnberg widmet sich der Zeit der Nürnberger Reichsparteitage sowie der nationalsozialistischen Architektur am Beispiel des Reichsparteitagsgeländes. Der Mythos der Reichsparteitage wird dabei ebenso beleuchtet wie der Terror des totalitären Systems.

Mehr als 11 km² sollte das Nürnberger Reichsparteitagsgelände umfassen. Hätte nicht das Ende des 2. Weltkriegs die Pläne gestoppt, Nürnberg wäre ein städtebauliches Symbol für nationalen Größenwahn. Das größte Stadion der Welt sollte mehr als 400.000 Menschen Platz bieten, die Kongresshalle sollte 70 Meter hoch werden und das größte frei tragende Dach der Welt besitzen. Seit 2001 beherbergt der Torso der Kongresshalle das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände.

Die Geschichte des Nationalsozialismus in Nürnberg

Die Nürnberger Reichsparteitage, die Nürnberger Rassengesetze und die Nürnberger Prozesse verbinden Nürnberg eng mit der Geschichte des Nationalsozialismus. Mit dem Dokuzentrum Reichsparteitagsgelände leistet das weltoffene Nürnberg von heute einen aktiven Beitrag zu einem besseren Verständnis der Ursachen, Zusammenhänge und Folgen des Nationalsozialismus.

Neue Interimsausstellung im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

In den kommenden Jahren wird das Dokumentationszentrum drei Großprojekte verwirklichen: den Ausbau des Hauses, die Neukonzeption der Dauerausstellung sowie ein Vermittlungskonzept für die Zeppelintribüne und das Zeppelinfeld. Der Umbau läuft bereits seit Beginn des Jahres. Die bisherige Dauerausstellung "Faszination und Gewalt" ist geschlossen und wird während des Umbaus bis voraussichtlich 2025 durch eine Interimsausstellung ersetzt, die räumlich wie inhaltlich den historischen Ort ins Zentrum stellt. Die zweisprachige Interimsausstellung "Nürnberg - Ort der Reichsparteitage. Inszenierung, Erlebnis und Gewalt" zeichnet ab sofort die wechselvolle Geschichte des Geländes vom Ende des Ersten Weltkriegs bis heute nach und setzt sie in den Kontext zu den gesellschaftlichen Kämpfen, der politischen Ordnung Deutschlands im 20. Jahrhundert, den Verbrechen des NS-Regimes und der zögerlichen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit in der Bundesrepublik.

Das 2001 eröffnete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände erarbeitet aktuell eine neue Dauerstellung. Besuchende können sich bis zur Wiedereröffnung des Doku-Zentrums im Herbst 2025 in einer kleinen Interimsausstellung über die Geschichte des Nationalsozialismus in Nürnberg und darüber hinaus informieren.

Die neue Ausstellung wird in ihren Inhalten wie in ihren Methoden weit über das bisher Präsentierte hinausgreifen. Einerseits nimmt sie von der Fiktion einer übergreifenden Erzählbarkeit der Geschichte des Nationalsozialismus Abstand, um demgegenüber eine Stimmenvielfalt zu zeigen: Individuelle Biografien geraten in den Blick. Andererseits nutzt sie die Präsentation von Objekten zur sinnlichen Vermittlung von Geschichte. Schließlich stellt die Ausstellung die Ortsgeschichte Nürnbergs in den Mittelpunkt – allerdings beispielhaft auch den Blick auf übergreifende Ereignisse weitend. Die Ausstellung erzählt das für und in Nürnberg Besondere.

Dabei überwindet die neue Dauerausstellung das bisherige Narrativ der „verführten“ Deutschen als Entschuldungsstrategie bei der Auseinandersetzung mit NS-Verbrechen („Zustimmungsdiktatur“).

  • Das Gemeinschaftserlebnis der Reichsparteitage in Nürnberg trug mit identitäts- und sinnstiftenden Angeboten zur individuellen wie kollektiven Akzeptanz des nationalsozialistischen Regimes bei.
  • Im Krieg trug die „Volksgemeinschaft“ die systemimmanente Gewalt des NS-Regimes bis zum Schluss mit

Die Radikalisierung der deutschen Gesellschaft zu einer rassistischen und gewaltorientierten Ausgrenzungsgesellschaft liefert Anhaltspunkte für die Diskussion, wie demokratische Gesellschaften auch heute noch destabilisiert und zerstört werden können. Die Ausstellung ist insofern ein Plädoyer für die individuelle Verantwortung zum Erhalt freiheitlich-demokratischer Gesellschaftsformen.

 

Das Wichtigste in Kürze:

  • neue Interimsausstellung im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände während des Umbaus
  • noch heute zeugen auf dem 11 km² großen ehemaligen Reichsparteitagsgelände gigantische Baureste vom Größenwahn des nationalsozialitischen Regimes
  • im Nordflügel der unvollendet gebliebenen Kongresshalle befindet sich heute das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
  • 2002 erhielt das Dokumentationszentrum den "Silver Otter" des Verbands Britischer Reiseschiftsteller für die weltbeste Tourismuseinrichtung