Die Kongresshalle sollte ein zentraler Bestandteil des Bauprogramms der Nationalsozialisten in Nürnberg sein. Das vom Nürnberger Architekten Ludwig Ruff entworfene Gebäude ist typisch für die monumentale Architektur des Dritten Reiches: Die Fassade ist vom Kolosseum inspiriert. Der Grundstein für das Gebäude wurde 1935 gelegt. Wäre die Kongresshalle fertiggestellt worden, hätte sie eine Höhe von 70 Metern erreicht. Aufgrund des Krieges wurde der Bau 1939 eingestellt. Das Innere der Halle, der Innenhof, die oberen Stockwerke und die gesamte Innenausstattung blieben unvollendet. Nur die Außenfassade aus massivem Granit erhielt ihre endgültige Form. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude für verschiedene Zwecke genutzt. 1963 zog das Nürnberger Symphonieorchester in den Südflügel ein, 2001 das Dokumentationszentrum in den Nordflügel.
Die Kongresshalle wird in den kommenden Jahren zu einem Kulturareal umgestaltet. Es entstehen „Kreativräume“ für Künstler aller Genres sowie Proben- und Präsentationsräume. Herzstück des neuen Kulturareals wird der neue Spielort des Staatstheaters Nürnberg im Innenhof der Kongresshalle sein. Das Staatstheater Nürnberg, Bayerns größtes Mehrspartenhaus für Oper, Schauspiel, Ballett und Konzert, erreicht in rund 700 Vorstellungen rund 300.000 Besuchende pro Spielzeit. Über 650 Mitarbeitende stehen für künstlerische Vielfalt und Spitzenleistung sowie eine besondere Nähe zum Publikum. Zusammen mit dem Schauspielhaus bildet das 1905 eröffnete Opernhaus am Richard-Wagner-Platz eine kulturelle Landmarke mit Strahlkraft weit über Nürnberg hinaus. Nach über 120 Jahren weist das Gebäude jedoch erhebliche bauliche und technische Mängel auf. Für die geplante Sanierung und Erweiterung zieht das Musiktheater mit den Sparten Oper, Ballett und Konzert deshalb 2028 in eine neue Spielstätte in der Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände.
Der Theaterneubau entsteht im Innenhof der Kongresshalle und umfasst Hauptbühne, Orchestergraben, Orchesterprobenraum sowie einen Zuschauerraum für 800 Personen. Das Publikum betritt den Neubau stets über den historischen Bestand des Rundbaus, sodass bei jedem Besuch das Erleben und die Auseinandersetzung mit dem historischen Ort möglich werden. Im Kongresshallen-Rundbau sind zudem zentrale Publikumsbereiche wie Eingangshalle, Abendkasse, Foyerflächen und Gastronomie untergebracht. Auch Verwaltung, Werkstätten und weitere Funktionsbereiche des Staatstheaters befinden sich im Bestandsgebäude. Mit der neuen Spielstätte entsteht in der Kongresshalle ein „Third Place“ – ein lebendiger, offener Kulturraum: ein „dritter Ort“, an dem Menschen sich begegnen, austauschen, diskutieren und Kunst unmittelbar erleben können. Das Staatstheater wird als Plattform für demokratische Diskurse und gesellschaftliche Teilhabe ein aktiver, vielfältiger Begegnungsort.
Der Baustart für den Neubau im Innenhof erfolgte im Dezember 2024. Die bauliche Fertigstellung ist für das vierte Quartal 2027 vorgesehen, die Eröffnung für das vierte Quartal 2028, zur Spielzeit 2028/29. Der Freistaat Bayern fördert die neue Spielstätte mit 75 Prozent. Staatsintendant und Operndirektor Jens-Daniel Herzog betont, dass sich das Staatstheater – gerade in der Kongresshalle – bewusst mit der historischen Bedeutung des Ortes auseinandersetzen, jedoch nicht in reiner Vergangenheitsbewältigung verharren wird. Die künstlerische Arbeit soll stattdessen als lebendiger, bisweilen auch humorvoller Gegenentwurf zur NS-Ideologie wirken – ein „permanenter Anti-Reichsparteitag“, der zeigt, dass Kunst und Menschlichkeit stärken sind als die menschenverachtende Ideologie der Nazis.
Die „Kreativräume“ und der Veranstaltungsort für Musiktheater und Tanz sollen gemeinsam mit dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände und den Nürnberger Symphonikern einen Ort der Begegnung und des kreativen Austauschs schaffen. Ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm wird das Publikum in der Saison 2028/29 in der Kongresshalle willkommen heißen.