
Albrecht Dürers Werke hängen in allen bedeutenden Kunstmuseen der Welt. Doch auch in seiner Heimatstadt Nürnberg kann sich der Besucher auf Spurensuche begeben. Das Germanische Nationalmuseum gehört zu den bedeutendsten Forschungszentren zu Albrecht Dürer und zeigt einige seiner bedeutendsten Werke. Das Albrecht-Dürer-Haus, Teil des Albrecht-Dürer-Wegs und sein Wohnhaus ab dem Jahr 1509, erlaubt einen faszinierenden Einblick in sein Leben und seine Kunst.
Die "betenden Hände" und der "junge Feldhase" von Albrecht Dürer gehören zu den am meisten reproduzierten Motiven der Kunstgeschichte. Man kann nur vermuten, ob es diesem berühmten Künstler der Renaissance gefallen hätte, seine Kunst auf Schokoladenblättchen oder Christbaumkugeln wieder zu finden. Denn, hineingeboren in das tief religiöse, ausgehende Mittelalter, arbeitete er an der Vervollkommnung von Technik und Ausdruckskraft mit einer Ernsthaftigkeit und naturwissenschaftlichen Akribie, wie es sie in Nordeuropa noch nicht gegeben hatte. Neben seiner Arbeit als Maler, Zeichner und Grafiker verfasste Albrecht Dürer Werke zur Proportionslehre, zur Geometrie sowie zum Festungsbau.
Den jungen Nürnberger zog es früh in den Süden, um Kunst und Proportionstheorien der italienischen Maler der Renaissance zu studieren. Gleichzeit wurde er ein leidenschaftlicher Verfechter des Humanismus und des neuen Bildes vom freien und schöpferischen Menschen, der ein Recht auf Würde, persönliche Entfaltung und Glück hat. Zurück in Nürnberg schärfte sich diese Überzeugung durch den Umgang mit Vordenkern des Humanismus wie Conrad Celtis, Willibald Pirckheimer und Philip Melanchton. Auch Erasmus von Rotterdam hat Albrecht Dürer mehrmals getroffen und gezeichnet. In seinen berühmten Selbstbildnissen zeigt sich dieses neue Menschenbild ebenso wie in seinen zutiefst berührenden Holzschnitt-Zyklen und Kupferstichen. Symbolik, Tiefe sowie die naturwissenschaftliche Genauigkeit in den Figuren von "Ritter, Tod und Teufel" oder der "Melancolia" machten ihn endgültig in ganz Europa berühmt. Die in die bürgerliche Welt transponierten religiösen Motive brachten seine Sorge um die Gesellschaft und vor allem um die Nöte der hungernden Bauern zum Ausdruck.
Albrecht Dürer war jedoch nicht nur ein Verfechter des Humanismus und der bürgerlichen Selbstbestimmung. Zeitlebens bewegte er sich in der höheren Gesellschaftsschicht und wurde 1509 in den Nürnberg Rat berufen. Sowohl Kaiser Maximilian I. als auch Kaiser Karl V. setzten ihm eine Leibrente aus. Seinen Wohlstand sicherte ihm neben Auftragsarbeiten für reiche Gönner der Verkauf von Druckgrafiken. Mit einigem Recht kann man behaupten, dass Albrecht Dürer als erster den Holz- und Kupferschnitt von der Buchillustration unabhängig zu einer gleichberechtigten Kunstform erhoben hat. Seine Blätter und Zyklen verlegte und vertrieb er im eigenen Verlag, tatkräftig unterstützt durch seine Frau Agnes. Damit war auch der erste Schritt zu einer Demokratisierung der Kunst getan, denn seine Grafiken machten ihn nicht nur in ganz Europa bekannt, sondern waren auch für Menschen außerhalb des Adels und der reichen Kaufmannschaft erschwinglich.

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