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3 im Web - Kultur

Hier ist Nürnberg unterirdisch!

David Heinz - unser Nürnberg Kulturblogger von "3 im Web" - machte sich auf in den Untergrund: Er schildert seine Erlebnisse bei einer Führung durch die Nürnberger Felsengänge.

Im Schatten des Albrecht-Dürer-Denkmals geht es bergab in das unterirdische Nürnberg: Die Jahrhunderte alte Felsenkeller unter der Nürnberger Altstadt; wie ein Schweizer Käse ist der Nürnberger Burgberg durchlöchert. Im Mittelalter wurden die Keller nach und nach erbaut.

Jeder, der Bier brauen und verkaufen wollte , musste laut der Stadt Nürnberg einen „zehen schuch tieff und sechzehen schuch weiten“ (ca. 10qm) Keller haben. Da häufig das Brunnenwasser von giftigen Bakterien befallen war, trank der Nürnberger ca. 500l Bier im Jahr, so kam es, dass es Nürnberg auf rund 200 Brauereien schaffte. Jede Brauerei hatte also unter dem Hause in dem Sandstein einen Keller zu graben, der im Laufe der Zeit  mit der Steigerung der Produktion bis zu vier Stockwerke tief und horizontal weitergetrieben wurde. Der Bau der Vielzahl von Gewölben und Gängen, die über eine Fläche von 25.000 m² aus dem Felsen geschlagen wurden und ein faszinierendes Labyrinth ergaben, wurde streng überwacht, um die Standfestigkeit des Untergrunds nicht zu gefährden. Auch die Lagerung des Bieres wurde akribisch überprüft. Städtisch angestellte „Schröter“ transportierten jedes Fass von der Brauerei in den Keller und auch wieder hinaus, auch der Brauereimeister wurde von der Stadt gesandt. Die konstante Temperatur von 7-10 Grad ermöglichte es, so das Bier hervorragend zu lagern. Auch die damals weltweit bekannte Gurkenmarke Harrer lagerte ihre Gurken in den Kellern. Das Rohr durch das die Gurken vom Hof in die Tiefe befördert wurden, ist heute noch zu besichtigen.

Im 2. Weltkrieg dienten die Felsengänge als Rettungsbunker bei den zahlreichen Luftangriffen der Britischen und amerikanischen Bomber. Bis in die 50er Jahre, lebten noch hunderte wohnsitzlos gewordene Nürnberger, dank des Be und Entlüftungssytems in den Felsenkellern. Informationstafeln erinnern an die unfassbare Zerstörung Nürnbergs und die Rettung tausender Menschen durch das weitläufige Kellersystem.

Mich faszinierte die Führung besonders, da ich mir sicher war, Nürnberg fast auswendig zu kennen, doch der Gang durch das Labyrinth der Felsengänge ermöglichte mir eine Sicht auf das geheimnisvolle, unterirdische Nürnberg. Auch die Bilder des fast komplett zerstörten Nürnbergs schaffen einen . Auch der Bierliebhaber erfährt viel über die Wurzeln des einheimischen Bieres.

Angeboten werden vom „Verein der Nürnberger Felsengänge“:

Bier(ver)führung, Felsenkellerführung, Führung durch die Kasematten und Lochwasserleitung sowie des Kunstbunkers, in dem Nürnberger Kunstschätze vor den Luftangriffen geschützt wurden.


Tags: Kultur

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