Svenja unsere Event-Botschafterin für Nürnberg berichtet hier aus dem Dokumentationszentrum - ein Teil der "Verpflichtenden Vergangenheit".
Glänzender Stahl, Glas und massives Mauerwerk mischen sich, im Inneren trifft kühler Beton auf rotes Backsteinsichtmauerwerk, sogar ein Bahngleis durchbricht die Wand und führt in die Tiefe des Gebäudes. Was klingt wie mein Traumhaus (naja, vielleicht ohne das Gleis), ist eines der besten Nürnberger Museen: Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, kurz Dokuzentrum.
Das feierte am ersten Wochendende im November sein 10-jähriges Bestehen. Am Sonntag, 6. November war deshalb Tag der offenen Tür - bei freiem Eintritt!
Außerdem began eine neue Sonderausstellung mit dem Titel "Im Lauf der Zeit. Das Reichsparteitagsgelände von 1945 bis heute". Die Ausstellung, die noch bis zum 29. Januar 2012 geht, zeigt ausgewählte Fotografien aus den letzten 65 Jahren, die sich mit den vielen baulichen Veränderungen des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes beschäftigen.
Der Anlass zur Gründung des Dokuzentrums in der ehemaligen Kongresshalle ist allerdings traurig: Im Jahr 1933 bestimmten die Nationalsozialisten Nürnberg zur "Stadt der Reichsparteitage". Warum ausgerechnet Nürnberg? Vermutlich wurden die Nazis von der schon im Mittelalter mächtigen Stellung der Nürnbergs und seiner Vergangenheit als Reichsstadt zu dieser Entscheidung angeregt. Nürnberg war für sie der Inbegriff der deutschen Stadt. Ab 1938 wurden hier jeweils im September die Reichsparteitage abgehalten, und zwar gleich neben dem Dokuzentrum, auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Nach Plänen des Architekten Albert Speer wurden eigens dafür auf einer 24,5 Hektar großen Fläche Zeppelinfeld, Steintribüne und die (unvollendete) Kongresshalle geschaffen. Vom ursprünglich geplanten "Deutschen Stadion" blieb nur eine Baugrube. Die geplanten Ausmaße des Reichsparteitagsgeländes, für das sogar der Tiergarten weichen musste, lassen sich nur grob erahnen, so immens groß sollten sie werden.
Hitlers Auftritte fanden aber auch im Nürnberger Zentrum statt. Der Hauptmarkt, der sogar nach Hitler benannt war, wurde zur Bühne der Nazis. Rund um Kaiserburg und Altstadt inszenierte man scheinbar fröhliche Volksfeste - Tradition und Volksnähe bildeten den Deckmantel der Verbrechen. Hunderttausende Menschen kamen nach Nürnberg und übernachteten sogar in Zeltlagern, um ihrem Führer zuzujubeln.
Im Dokuzentrum könnt ihr solche Szenen in zahlreiche Filmaufnahmen sehen, unter anderem sind auch Ausschnitte aus Leni Riefenstahls Propagandawerk "Triumph des Willens" dabei und lassen erahnen, wie es im Nürnberg des Dritten Reichs zuging. Die Ausstellung, die den Titel "Faszination und Gewalt" trägt, zeigt auf mehr als 1300 qm die Vergangenheit Nürnbergs: Vom Aufstieg Hitlers über die Reichsparteitage, die Judenverfolgungen bis hin zu den Nürnberger Prozessen können die Besucher 19 Themenbereiche durchlaufen. Ein gut sortierter Museumsshop, ein Kino und verschiedene Führungsangebote liefern euch zusätzliche Infos.
Fazit: Es gibt so viele Sehenswürdigkeiten in Nürnberg, die für Besucher ein absolutes Muss sind. Ob Altstadt, Lorenzkirche oder die Kaiserburg - sie alle sind echte Highlights. Meistens konzentriert sich der Touristen-Radius allerdings nur auf das Stadtzentrum.
Deshalb empfehle ich euch unbedingt einen Ausflug ins Dokuzentrum. Nehmt euch dafür ruhig zwei Stunden Zeit! Ausruhen könnt ihr euch nämlich hinterher im Museumscafé. Vergesst auch nicht, euch einen der kostenlosen Audioguides zu schnappen, sonst könnt ihr die Videos nur als Stummfilme sehen.

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