Im Henkerhaus, einem gedeckten Wehrgang über der Pegnitz und dem Henkerturm direkt vorgelagert, wohnten vom Mittelalter bis zum Jahr 1806, also fast 400 Jahre lang, die Nürnberger Henker. Der Verein Geschichte für alle e.V. hat in den ehemaligen Wohnräumen eine Ausstellung zur Nürnberger Kriminalgeschichte konzipiert. Besonders anschaulich werden Alltag und Gerichtsbarkeit in Nürnberg um 1600 durch Auszüge aus dem Diensttagebuch des berühmtesten Nürnberger Henkers, Franz Schmidt.

Das Mittelalter als dunkle Epoche ist ein Bild, das auch heute noch oft zu Unrecht beschworen wird. Vermutlich trägt auch die mittelalterliche Gerichtsbarkeit das ihre dazu bei. Wer als Verurteilter das Glück hatte, einer der vielen drakonischen Todesstrafen zu entgehen, fristete im Gefängnis meist hungernd und frierend ein elendes Dasein. In Nürnberg kann man sich in den Lochgefängnissen, im Henkerhaus oder beim kriminalgeschichtlicher Rundgang "Mörder, Fälscher, Messerstecher" aus dem sicheren Abstand von mehreren hundert Jahren über die Kriminalgeschichte des Mittelalters informieren. Ehrbare Bürger durften im Mittelalter mit dem Henker keinen Kontakt haben. Seine Söhne konnten keinen ehrenhaften Beruf ausüben und auch seine Töchter durften nur sogenannte unehrliche Männer wie Scharfrichter, Abdecker oder Schinder heiraten. Den Alltag dieser Scharfrichterdynastien zeigt die beinahe das ganze Jahr an den Wochenenden zugängliche Ausstellung im Henkerhaus am Henkersteg.